Welche Solnhofener Fossilien gibt es?

Die Steinbrüche rund um Solnhofen gelten als besonders reich an seltenen Solnhofener Fossilien. Kein Wunder – wurde hier doch der Urvogel „Archaeopterx“ gefunden. Der gefiederte Urvogel ist so gut wie jedem Kind aus dem Biologieunterricht bekannt. Dass er aus der Gemeinde Solnhofen stammt, ist kein Zufall. Im Solnhofer Plattenkalk wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Fossilien gefunden, welche bisher an keinem anderen Ort der Welt entdeckt wurden. Inzwischen sind die Solnhofer Platten auf der ganzen Welt bekannt – für ihre Vielfalt an außergewöhnlichen Funden und detaillierten Ausformungen.

Die Entstehung der Fossilien im Solnhofer Plattenkalk

Die Solnhofener Fossilien weisen bei einer genauen Betrachtung erstaunliche Details auf: Weichteile, Pflanzenteile und sogar die feinen Flügel urzeitlicher Libellen sind erkennbar. Das liegt unter anderem an der Art und Weise, auf welche Fossilien entstehen. Es handelt sich dabei um einen komplexen Prozess, welcher wahnsinnig viele Jahre andauert. Stirbt ein Tier, so wird es in den meisten Fällen gefressen. Auf diese Weise verschwindet es vollständig – nichts deutet mehr auf seine Existenz hin. Wenn ein Lebewesen allerdings an einem Ort stirbt, wo seine Überreste nicht verspeist werden, kann es zu einem Fossil werden.

An dem Ort, welcher diesen Vorgang ermöglicht, muss der Kadaver auch vor der Zersetzung und der natürlichen Verwitterung geschützt sein. Genau das ist beim Solnhofer Platten der Fall. Tiere wurden vor vielen Jahrmillionen in den weichen Sand eingeschlossen und sind heute Solnhofer Fossilen. Da der Solnhofer Plattenkalk besonders weich ist, blieben auch Details naturgetreu erhalten. Durch die Einbettung der noch frischen Körper, kam außerdem keine Luft an die toten Lebewesen. Dadurch wurde die Verwesung erheblich verlangsamt. Die eingebetteten Überreste werden mit der Zeit mineralisiert. Das Gewicht von Sand und Schlamm presst die teilweise winzigen Körper fest zusammen, wodurch eine Art „Kopie“ entsteht. Bei diesem Abbild der Lebewesen handelt es sich um Versteinerungen, zu welchen auch die Solnhofer Fossilien gehören. Diese Versteinerungen sind bis heute in den Solnhofer Platten eingeschlossen.

Diese Fossilien existieren im Solnhofener Plattenkalk

Zu den Solnhofenerr Fossilien gehören rund 60 verschiedene Fischgattungen. Darunter Knorpelfische (Haie), Knorpelschmelzschupper und Knochenschmelzschupper. Aber auch Knochenfische sowie sehr gut erhaltene Quastenflosser wurden bereits gefunden. Sogar der Kugelzahnfisch – ein besonders seltenes Exemplar – zählt zu den Solnhofener Fossilien. Neben Fischen gibt es zahlreiche Krebsarten. Die Bandbreite reicht vom Glaskrebs über kleine Asseln, Schwimmkrebse und Panzerkrebse bis hin zu Mundfüßern.

Zu den sogenannten Stachelhäutern gehören die heute noch lebenden Seesterne, Seeigel, Seelilien und Seegurken. Diese Kategorie der Solnhofer Fossilien gilt als besonders gut erhalten. Details der feingliedrigen Tiere sind häufig deutlich zu erkennen, obwohl die Glieder dieser filigranen Lebewesen nur hauchdünn sind.

Natürlich gibt es im Solnhofener Plattenkalk auch viele verschiedene Insekten. Außerdem wurden diverse Reste von Pflanzen und sogar vollständige Pflanzen mitsamt Blätter, Stängeln und Wurzeln aufgefunden. Ebenfalls gefunden wurden bis heute zahl- sowie artenreiche Ammoniten und Tintenfische.

Das bekannteste Solnhofener Fossil ist selbstverständlich der Urvogel „Archaeopteryx“. Er gilt als Übergangsform von Dinsosaurier zu den heutigen Vögeln und ist einer der spektakulärsten Fossilienfunde weltweit. In den Solnhofener Platten wurden bis heute ganze zwölf Exemplare gefunden, welche einen teilweisen oder ganzen Urvogel repräsentieren. Archaeopteryx war etwa so groß wie eine Taube und hatte zwar Feder, erinnerte in seiner Erscheinung allerdings mehr an ein Reptil. Vor allem das Vorhandensein von Zähnen und eine enorm lange Schwanzwirbelsäule deuten auf seine Urtümlichkeit hin.

Das Bürgermeister Müller Museum: Solnhofer Fossilien hautnah erleben

Das Museum in Solhofen berherbergt zahlreiche einzigartige Funde aus den Solnhofener Platten. Unter den zwei besonders berühmten Stücken befindet sich neben ganzen zwölf Exemplaren des Urvogels der Babydinosaurier „Sciurumimus albersdoerfii“. Eine eigens entwickelte elektronische Station informiert die Besucher über den einstigen Lebensraum der Tiere sowie über die Entstehung der einzelnen Fossilien. Die beiden separaten Abteilungen „PaläoZoo“ und „Welt in Stein“ befinden sich jeweils im Erdgeschoss bzw. im ersten Obergeschoss. Der „PaläoZoo“ verbindet das Naturkundemuseum mit einem kleinen zoologischen Garten. Im Bereich namens „Welt in Stein“ werden den Besuchern hingegen die Fossilien und Informationen rund um die Solnhofener Platten zur Verfügung präsentiert. Über das Jahr verteilt finden außerdem diverse Jahres- und Sonderausstellungen statt.

Für alle Besucher, die sich die Solnhofener Fossilien nicht nur im Bürgermeister-Müller-Museum, sondern auch im Steinbruch anschauen möchten, bietet das Museum eine Kombination an. Bei einer solchen Veranstaltung dürfen Interessierte auf eigene Faust in Sand und Stein nach originalen Solnhofener Fossilien graben. Dieses Angebot ist vor allem für Familien oder Schulklassen attraktiv.

Museum und einer der Solnhofener Steinbrüche liegen sehr nah beieinander, weshalb die Wege kurz sind. Im Steinbruch findet man recht häufig Ammoniten, welche sogar mit nach Hause genommen werden dürfen. Wer sich besonders viel Mühe gibt, findet ab und zu seltenere Fossilien. Der Steinbruch kann ohne vorherige Anmeldung besucht werden.

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